Der Weg ist das Ziel / FCI-HWT und IHT TS 1 - 12./13.10.2013 (Verfasst von Silvia Schwarz)
 
Ein Wochenende voller Begegnungen und Erfahrungen mit Menschen, Schafen und unsere über alles geliebten Bearded Collies zum Herding Working Test (HWT) und Trial Stufe 1 (TRS1)
Für Achim!
Am 12. Und 13. Oktober 2013 war es endlich soweit. Der erste Hütewettbewerb, der erste von BCCD ausgerichtete Trial stand an. Ausgerichtet vom BCCD (dem Bearded Collie Club Deutschland) in Zusammenarbeit mit dem WBCG der Community Working Bearded Collie Germany an den Schafen von Guardian Paws Herding and Hugging von Sarah Richter in Iserlohn.
 
Alle Vorbereitungen waren bis Freitagabend in strömenden Regen erledigt worden. Die Schafe lustig bunt markiert, die notwendigen Zelte standen, alle gut drauf. Was kann da noch schief gehen?


Der nächste Tag begrüßte uns mit Sonnenschein, einem freundlichen Richter, Herrn Wilfried Scheld, sowie seinem Freund und Helfer, Herrn Winfried Sommer.
 
Nach einer kurzen Einweisung ging es auch schon los.
 
Nachfolgenden Aufgaben sind im HWT zu bewältigen
(wenn es manchmal ein bisschen zu gestelzt klingt, die Prüfungsordnung habe ich teilweise eingearbeitet) :
 
 
Begrüßung:
 
Es steht zwar nicht in der Prüfungsordnung, sollte aber erwähnt werden: Die ordentliche Begrüßung, das Vorstellen des Hundes, die Angemessenheit der Kleidung entsprechen einer alten Schule und wurde von Herrn Scheld gerne gesehen.
 
Unbefangenheit (Wesen):
 
Viele Teilnehmer haben es gar nicht so richtig wahrgenommen, aber bereits die Überprüfung der Tätowiernummer oder des Mirkochips war ein Test. Der Hund soll in seinem natürlichen Verhalten (außerhalb der Reizlage, gemeint sind hier sicherlich die Schafe) geprüft werden. Der Hund soll sich natürlich und aufmerksam verhalten.  Ein Zurückweichen vor der Richtergruppe wurde bereits vermerkt und der erste Eindruck war gemacht. Wohingegen eine leichte Zurückhaltung gegenüber Fremden toleriert wurde.
 
Bei unseren Hunden war kein außergewöhnliches Verhalten zu vermerken. Beardie, freundlich wie immer!
 
Auspferchen:
 
Auf dem Weg zum Pferch war fand bereits die zweite unauffällige „in Augenscheinnahme“ des Richters statt. Wie aufmerksam war der Hund, wie zielstrebig lief er zur Aufgabe. Gern gesehen war das angeleinte Führen des Hundes zum Pferch.
 
Dann sollte auf Richteranweisung der Hundeführer den Pferch für den Hund öffnen, um diesen hineinzulassen. Der Pferch sollte erst einmal wieder geschlossen werden. Dabei  konnte der HF den Hund begleiten oder nicht. Hier sollte die erste Reaktion des Hundes am Schaf überprüft werden. Steht der Hund passiv da, hält er sie im Auge oder geht er impulsiv an das Schaf heran? Anschließend sollte der Pferch geöffnet werden und der Austrieb erfolgen. Der Austrieb erfolgt aktiv durch den Herdengebrauchs- / Hütehund in Verbindung mit den Kommandos des Hundeführers. Dies sollte ruhig, dabei aber zügig erfolgen. Der Richter beurteilt hier das Verhalten des Hundes gegenüber der Herde in Bezug auf Ruhe und Sicherheit.

Hier eine sehr schöne Arbeit von Heidi und Lennox:


Für Herrn Scheld war es bei diesem HWT egal, ob der Hund zum Austrieb um den Pferch außen herum geschickt worden ist oder die Schafe  direkt aus dem Pferch ausgetrieben hat.
 
Hier verhielten sich dann doch einige Hunde sehr ungestüm und umkreisten aufgeregt ein paar Mal die Herde. Natürlich war der Hundeführer ein bisschen peinlich berührt, aber hier meinte Herr Scheld nur, dass das der Stabilisierung der Herde und der Start in Richtung „Straße“ diente nicht negativ beeinflusst wurde.
 
Als ganz großartig ist das Verhalten von Monja mit Enya, als auch mit ihrer jungen Hündin Brandy zu erwähnen.  Monja ließ Schafe und Hund erst einmal gewähren. Hund und Schafe kamen gleichermaßen zu Ruhe und Herr Scheld war beeindruckt, wie abgebrüht ein Hundeführer sein kann!
 
Hier aber erst einmal Hannah mit Kate, auch sehr cool
 

 
 
 
„Straße“
Herdenführung und Hüten
 
Nach dem Auspferchen muss die Herde zum Gehüt geführt werden. Die Entfernung vom Pferch zum Grasen soll mind. 75m betragen. Hierbei wird ein Pfad oder ein simulierter Weg benutzt. Der Richter bewertet / beurteilt hierbei die Führung der Herde an allen Stationen dieses Tests. Hier wird die Fähigkeit des Herdengebrauch- / Hütehundes bewertet, die Herde korrekt zu führen, zu begleiten, zu beschützen oder sie gegebenenfalls zu bewegen.

Nun die coole Monja mit Enya
 

 
 
Gehüt:
Dieser Prüfungsteil soll in einem markierten Feld oder entlang eines lang gestreckten Gehüts (längs einer Seite) oder einer natürlichen Hütefläche (begrenzt) gezeigt werden.
Hier wird geprüft, ob der Hundeführer die Herde richtig einführt und der Herdengebrauch- / Hütehund in der Lage ist, dies zu unterstützen bzw. in das Gehüt zu manövrieren und insbesondere, ob der Hund es vermag, die Tiere innerhalb der Fläche zu halten. Dies hat mit Ruhe, effektiv und (möglichst) selbständig zu erfolgen.
 
Gewollt wurde, dass die Schafe den Kopf senken und grasen, dass der Hund selbständig das Gehüt von außen patrouilliert, sprich „Furche“ läuft. Das haben wir nicht so geübt und widerspricht auch ein bisschen dem Sinn der Übung, denn solange die Schafe sich ruhig innerhalb des Gehüts befanden, der Hund außen in Sitz oder Liegeposition das Gehüt bewacht hat, ist ein hin- und her furchen ja eher kontraproduktiv.
 
Naja, jedenfalls wollte Herr Scheld genau das sehen und gab als kleinen Tipp sich als Hundeführer doch etwas unauffällig in der Herde zu bewegen, so dass diese etwas in Bewegung kam um den Hund anzuspornen nach dem Rechten zu sehen. Aber die braven Schafe wagten kaum das Gehüt zu verlassen.


 
Stopp:
Der Herdengebrauch- / Hütehund soll zeigen, dass er die Schafherde anhalten kann.
Dies kann auf dem Rückweg vom Gehüt oder  auf dem Weg zum Einpferchen erfolgen. Der Richter gibt die Anweisung, wann dies zu geschehen hat.
 
Hier gab es die größte Verwirrung der Teilnehmer. Keiner wusste so genau, was der Richter jetzt sehen wollte, wie soll sich der Hund bewegen, wo soll der Schäfer stehen.
 
Ich hoffe ich gebe das jetzt richtig wieder, wie es gedacht wurde:  Hundeführer läuft vorneweg, die Schafe hinterher, dann der Hund. Der Blick nach vorne zeigt ein Stoppschild. Der Hund soll während des Ziehens der Schafe einen Bogen nach vorne laufen um die Herde am Weiterziehen zu hindern. Die Herde überläuft den Schäfer, so dass der Schäfer, die Schafe, der Hund wieder in der „richtigen“ Reihenfolge stehen.
 
Jeder Teilnehmer konnte hier die Herde schön stoppen, wusste aber nicht so recht, wo seine Position war und das gab dann leider ein paar Punkte Abzug. Lediglich ein, zwei Hunde haben  sich bei dem Stopp auf der Straße oder im Fluss positioniert, was natürlich bei tatsächlichen Stopps nicht passieren darf.
 
Hier ein fast perfekter Stopp von Heidi und Lennox:


 
 
Hier sollte dann aber auch der Sinn der Übung etwas hinterfragt werden, denn kann ich meinem Hund soweit vertrauen, dass er die Herde allein stoppt, oder muss ich nicht als Schäfer lieber mit nach vorne um Hund und (!) Schafe zu schützen ?  Ich denke, hier unterscheidet sich dann doch die Realität etwas von der Praxis.
 
Nach dem Stopp wurde dann schräg abgebogen Richtung Pferch. Auch hier wurde im Grunde noch einmal wie bei der „Straße“ bestätigt, wie der Hund an der Herde arbeitet und treibt.

Perfektes Flankieren von Daimon, unserem verdienten Sieger:
 

 
Das Einpferchen
Die Prüfungsordnung schreibt vor: “Das Einpferchen soll ebenfalls durch aktives Handeln des Hundes in Verbindung mit den Kommandos des Hundeführers erfolgen. Der Einzug soll ruhig und ohne zuviel Drängeln geschehen. In der Nähe des Pferches (auf dem Rückweg) soll die Herde mittels Herdengebrauch- /Hütehund angehalten werden, während der Hundeführer den Pferch öffnet.
 
Auch hier fand es Herr Scheld gut, wenn der Hund nach getaner guter Arbeit freundlich gelobt worden ist.
 
 
Veranlagung und Durchführung der Aufgaben
Grundsätzlich konnten alle Kommandos über die Stimme, über Gesten oder Pfiffe übermittelt werden  um das Verhalten des Hundes zu beeinflussen. Hier achtete Herr Scheld auch auf den Gehorsam des Hundes. Der Hütehund sollte sofort reagieren und die Kommandos umfänglich und gezielt ausführen.
 
Allerdings war sich der Richter wohl dessen bewusst, dass sich genau hier die grundlegende Frage zwischen dem gewollten selbständiges Arbeiten des Hundes und der präzisen Ausführung der Kommandos (natürlich auch gewollt) stellt. Ein permanentes gerufenes Kommando wie „Platz“ oder „Steady“ das nur ansatzweise oder gar nicht ausgeführt wurde war nicht gewünscht, dann doch eher die Eigenarbeit des Hundes. Aber ein „Donnerwetternochmalmachjetztendlichplatzdumistvieh“  und  die daraufhin gewünschte Reaktion des Hundes, wurde dann auch mal mit „geht doch“ kommentiert. (hm, mit Blick auf die Schäferhundefraktion).
 
Des Weiteren wurden die Aktivität und der Hütetrieb bewertet. Die Richter beurteilen das Vermögen, eine Herde zu führen, zu begleiten und anzuhalten in Verbindung mit den Kommandos des Hundeführers. Weiterhin beurteilten die Richter die Selbständigkeit die Tiere anzuhalten oder
zu stoppen bzw. die Tiere auf einem Platz zu halten (und streunende Schafe zurückzubringen).

Willy mit Lloyd

 
 
Hier äußerte sich Herr Scheld bei ein paar ausbüchsenden Schafen und den „einholenden Hunden“ manchmal: hm, jetzt jagt er…… Ich konnte nicht so recht erkennen, wann eingeholt, wann gejagt wurde…..
 
 
Keiner unserer Hund zeigte wirklich einen Griff, wobei  in besonderen Ausnahmefällen ist es dem Herdengebrauch- / Hütehund gestattet, einen kurzen Griff zu zeigen. Dieser Griff kann erforderlich sein, um die Herde zu bewegen oder die Kontrolle der Herde zu übernehmen. Unkontrolliertes, brutales Beißen ist nicht gestattet und führt zur Disqualifikation.
 
Ich durfte Herrn Scheld als sehr netten Richter kennen lernen, der versucht hat, ehrlich und gerecht zu bewerten. Sein Hauptaugenmerk lag mehr auf den Aktivitäten der Hunde zum Schaf, als das Bewältigen der Aufgabe mit Realitätsbezug. Leider wurde das einem Teilnehmer zum Verhängnis, der mit seinem wundervollen Hund eigentlich die beste Leistung gezeigt hat: Ruhige und gelassene gegebene Kommandos, die ausgeführt worden sind, eine Schafherde ohne einen Versuch auszubüchsen. Ruhiges Ziehen der Herde, gekonntes Ein – und Auspferchen. Ohne einen präsenten Hund wäre das sicher nicht gelungen, aber es war kein Anlass dazu da, wirklich einzugreifen und daher wirkte das Verhalten des Hundes doch sehr lässig. Aber liegt es eben nicht auch in der Natur unserer wunderbaren Beardies, dass diese genau erkennen und wissen, wann tatsächlich gearbeitet werden muss? Der Bock in der Herde, für viele Teilnehmer ein „hoffentlich nicht bei mir“ für Lloyd nur eine minimale Herausforderung ?
Am Sonntag wurde der Trial-Wettbewerb TS 1 abgehalten, der im Unterschied zum HWT auf den „Stopp“ verzichtet, dafür aber das Aufnehmen/Anfassen eines Schafes im Gehüt beinhaltete. Beim Aufnehmen des Schafes wollte Herr Scheld sehen, dass der Hund aufmerksam und bereit ist, im Notfall sofort dem Schäfer zur Seite zu springen.  Das hat nur ein Beardie gezeigt. Die Aufgabe ist natürlich um ein vielfaches schwieriger, wenn die Herde ungehütet mit über 100 Schafen und ein bestimmtes, gekennzeichnetes Schaf, gegriffen werden soll.
Im Ergebnis haben alle Hunde den HWT bestanden und beim Trial TS 1 durchgehend eine  hohe Punktzahl erreicht, die zur Teilnahme am TS 2 berechtigt.
Unsere Helga mit ihrem Daimon hat die WBC Community Flagge hochgehalten und den 1. Platz erreicht. Und sie hat es sich wirklich verdient! Wir freuen uns so für die Beiden!



Nicht unerwähnt bleiben sollen auch zwei heimliche Zuschauer. Alle waren sich ihrer Anwesenheit bewusst, aber so wirklich gesehen hat man sie nicht. Ein vergnügter junger Mann schaukelte strahlend auf seiner Wolke hin und her und freute sich so unglaublich, dass die Saat, die er ursprünglich gesät hatte nun aufgeht, dass eine wunderschöne internationale Beardie- Hüte-Gemeinschaft entstanden ist und sich prächtig entwickelt. An seiner Seite ein wunderschöner schwarz-weißer Beardie, der zwar ab- und zu ein bisschen traurig guckte, er wäre so gerne dabei gewesen, aber seine Traurigkeit dauerte nie lange, denn Seine Schäfchen(Wolken) wollten im himmlischen Gehüt gehalten werden  und die waren nicht so einfach zu handeln, wie Hannahs Schafe. Wir hatten dank deren  beider himmlischen Mithilfe  so ein schönes, gutes Wetter! Danke  und nicht nur dafür Achim und Jojo.

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letzte Änderung: 31.07.2014